Mundwinkel heilen – Die Risse, die nie ganz verschwanden
Praxisbeispiel (anonymisiert)
Sie kannte es seit dem Winter: kleine Risse in den Mundwinkeln. Manchmal nur rechts, manchmal auf beiden Seiten. Obwohl sie alles versucht hatte —> Vaseline, Lippenpflege, eine Salbe aus der Apotheke, wollten die Mundwinkel nicht heilen. Es half kurz. Dann kamen die Risse zurück.
Was mich bei ihrer Schilderung aufhorchen ließ, war nicht die Saisonalität. Es war das Muster: Die Risse wurden ruhiger, dann aktiver, dann wieder ruhiger —> ein Rhythmus ohne echte Erholung.
Was die Untersuchung zeigte
Bei der Untersuchung sah ich gerötete, leicht mazerierte Mundwinkel. Kein Pilzbefall, keine bakterielle Superinfektion. Dennoch befand sich das Gewebe in einem Dauerzustand der Reizung —> ein typisches Zeichen dafür, dass das orale Milieu nicht stimmt.
Im Gespräch wurde schließlich deutlich: Ihr Speichel war wenig. Morgens hatte sie einen trockenen Mund. Ihre Mundhygiene war solide —> allerdings mit Produkten, die das ohnehin schwache Speichelmilieu zusätzlich belasteten.
Zwei Veränderungen und was sie bewirkten
Wir veränderten zwei Dinge gleichzeitig: die Pflegeprodukte, hin zu einer Mikrobiompflege, die den Speichelfilm aktiv unterstützt und die täglichen Gewohnheiten, mit dem Ziel, den Körper besser zu versorgen.
Beim zweiten Folgetermin waren die Risse verheilt. Nicht versorgt. Verheilt.
Ihr Körper hatte sich nicht verändert. Die Bedingungen, unter denen er arbeiten durfte, hatten sich verändert. Und sobald diese Bedingungen stimmten, konnte er das tun, wozu er fähig ist: die Mundwinkel heilen —> von innen.
Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster, das sich in der Praxis immer wieder zeigt. Deshalb lohnt es sich, nicht nur die Oberfläche zu behandeln, sondern das Milieu dahinter zu verstehen.
Hintergrundwissen dazu findest du in der LOR Akademie. Die passende Umsetzung für deinen Alltag findest du im Bereich Touch to Go.
Weiter lesen: Körperlogik — Warum Salbe allein nicht reicht | Naturgesetze — Was Baumrinde und Mundwinkel gemeinsam haben | Moderne Medizin — Was die Forschung zeigt
Zum wissenschaftlichen Hintergrund: Angular Cheilitis – Übersicht auf PubMed
Autorin: Janine Bertram M.Sc., M.Sc. Zahnärztin | Gründerin von LOR Biomimetische Mundbiologie, Regulation & Prävention
